Ein Projekt von David Stromberg

 

Das Projekt erzählt die Geschichte von großen Visionen, großer Hingabe an eine Idee, von bahnbrechenden Erfolgen, Begeisterung und künstlerischen Idealen und bringt wunderbare Musik neu zu Gehör. 

Wie es begann

Im Sommer 2017 suchte ich nach Literatur für zwei Celli und stieß auf ein Doppelkonzert für zwei Celli und Orchester von Emanuel Moór. Spätromantische Musik allererster Güte und kaum jemand kennt sie. Ich hatte selbst nie von dem Komponisten Emanuel Moór gehört und war gleich fasziniert vom Einfallsreichtum und diesem tief empfundenen musikalischen Ausdruck! Herrliche Melodien und überraschende harmonische Wendungen lösen sich ab.

Ich begann, mich mehr und mehr mit dieser Musik und ihrem Hintergrund zu beschäftigen. Und aus der Begeisterung dafür kam im April 2020 eine Emanuel Moór CD auf den Markt. Zu hören sind auf der CD das Doppelkonzert und weitere Werke, die der Cellist Sebastian Hess und ich in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk und den Nürnberger Symphonikern mit dem Dirigenten Rudolf Piehlmayer aufgenommen haben.


Casals, Berliner Philharmoniker, Wiener Philharmoniker, Nikisch

Über die Jahre begegneten mir unerhörte Besonderheiten: Die besten Musiker seiner Zeit führen die Werke von Emanuel Moór auf: Die Berliner Philharmoniker mit seinem Chefdirigenten Arthur Nikisch, die Wiener Philharmoniker, Alfred Cortot, Eugene Isaye. Der noch heute berühmte und verehrte Cellist Pablo Casals bezeichnet Moór in seinem Buch „Licht und Schatten auf einem langen Weg“ als ein Genie, konzertiert mit seinen Werken und ist sein inspirierender Mentor und Freund. Moór schreibt rund 100 Werke: Opern, Sinfonien, Kammermusik und Konzerte. Und dann verstummt er in seiner Lebensmitte und schreibt fortan keine einzige Note mehr. Er wird Erfinder.


Die Vision

Seine Vision war es, mit dem Duplex Coupler Grand Piano das Klavier der Zukunft zu bauen. Mittels eines Kopplungspedals ermöglicht das Instrument die Verdopplung und Oktavierung der Töne. Und durch die beiden Manuale werden neuartige Abschattierungen des Klanges möglich. Moór schaffte es auch als Erfinder in die höchsten Kreise vorzudringen: die renommiertesten Klavierbauer der Welt fertigten sein Instrument: Steinway, Bösendorfer, Bechstein, Pleyel und einige andere. Er pflegte den Kontakt zu schillernden Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft. Eine besondere Verbindung bestand zwischen Emanuel Moór und Werner von Siemens, die gemeinsam einen Flügel mit elektrischem Tonabnehmer konstruierten und ihrer Zeit damit weit voraus waren.


Die Wiederentdeckung

Mit dem Projekt „Das Duplex Coupler Grand Piano“ hauchen Florian Uhlig und ich einer vergessenen Idee neues Leben ein und tauchen in ein faszinierendes Kapitel der jüngeren Musikgeschichte ein. Unser Projekt erzählt die spannende Geschichte von großen Visionen, großer Hingabe an eine Idee, von bahnbrechenden Erfolgen, Begeisterung und künstlerischen Idealen. Das Projekt besteht aus 4 Teilen:

1. Ich habe lange nach dem geeigneten Duplex Coupler Grand Piano gesucht und es schließlich gefunden. Im März 2021 haben der Pianist Florian Uhlig und ich das Instrument erstmals gemeinsam erprobt und aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Eine ungeahnte Klangfülle kam uns entgegen. Und das Erstaunliche war: auch filigrane Passagen lassen sich so auf eine neue Weise faszinierend transparent und durchsichtig darstellen. Wir haben es aufwändig restaurieren lassen und konnten dann im Juli 2021 ein erstes Konzert beim Schönberger Musiksommer spielen.

2. Florian Uhlig und ich nahmen im Winter 2021/2022 in Kooperation mit Deutschlandradio eine CD auf. Wunderbare Musik für Klavier und Cello erklingt ganz neu. Wir haben drei Sonaten von Emanuel Moór, Ernst von Dohnanyi und Richard Strauss ausgewählt, die besonders gut zum Flügel passen. Mir fiel ein Foto in die Hand, auf dem Ernst von Dohnayni ein Konzert in Budapest mit dem Duplex Coupler Grand Piano dirigiert. Der Saal ist bis auf den letzen
Platz gefüllt und Winifred Christie, die zweite Ehefrau von Emanuel Moór, sitzt am Flügel. Da war klar: seine Sonate für Cello und Klavier wollen wir präsentieren. Ein Werk von Emanuel Moór ist selbstverständlich im Programm und das Jugendwerk von Richard Strauss passt mit seinem Sturm und Drang wunderbar zum Flügel und zur Kraft
neuer Ideen.

3. Das Duplex Coupler Grand Piano wird nun im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg in der Sammlung Beurmann ausgestellt. Schauen Sie es sich an!

4. Konzerte. Ich habe die „Emanuel Moór Konzertreihe“ initiiert, die in diesem Jahr in Hamburg vier Konzerte präsentiert. Drei finden in der Sammlung Beurmann im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg statt und eines findet in der Elbphilharmonie statt. Mirijam Contzen, Sophia Jaffé, Sayako Kusaka, Hartmut Rohde, Florian Uhlig und ich spielen schönste Kammermusik. Das Duplex Coupler Grand Piano wird dabei ein einmaliges Hörerlebnis vermitteln. Ein Gastkonzert in Erlangen erfolgt auch noch in diesem Jahr. Sophia Jaffé, Florian Uhlig und ich werden gemeinsam mit den Hofer Symphonikern das neue Siemens Auditoriums einweihen.


Dank

Ich danke denen, die geholfen haben, das Projekt wahr werden zu lassen! Ich danke Heikedine Körting-Beurmann, die das Projekt von Anfang an unterstützte, Stefan Lang von Deutschlandradio Kultur, dem ich Emanuel Moór und seine Musik bei einer Tasse Kaffee in Berlin präsentierte und der sofort das Potential im Duplex Coupler Grand Piano erkannte und Nikolaus Turner von der Henrik und Emanuel Moor Stiftung, den ich erstmals im Herbst 2017 im Lehnbachhaus in München traf, um ihm meine Ideen rund um Moór mitzuteilen und der daran glaubte und sie seitdem unermüdlich unterstützt. Ich danke Florian Uhlig, der mir schon beim ersten Telefonat zum Projekt begeistert seine Zusage zur Mitwirkung gab, ohne das Instrument je gespielt zu haben und ich danke den Stiftungen und privaten Förderern. Im Zusammenwirken aller Kräfte kommt das Duplex Coupler Grand Piano wieder zu den Menschen und wir können faszinierende Musik neu erleben!


David Stromberg

Initiator und Projektleiter

Dirigent und Komponist Ernst von Dohnayni, Winifred, Budapest 1936
Die Wiederentdeckung. Florian Uhlig und David Stromberg 27.7.2021